ADHS vs. Legasthenie: Überlappende Symptome erkennen

December 25, 2025 | By Julian Navarro

Lesen Sie denselben Absatz immer wieder? Fällt es Ihnen schwer, Gedanken zu ordnen, Termine einzuhalten oder Termine im Blick zu behalten? Wenn solche Herausforderungen den Alltag beeinträchtigen, fragt man sich natürlich nach den Ursachen. Viele Erwachsene und Eltern stellen sich die Frage: Könnte es sich um ADHS, Legasthenie oder etwas ganz anderes handeln?

Diese Verwirrung ist verständlich. Die Überschneidungen zwischen ADHS und Legasthenie sind beträchtlich, und Studien deuten darauf hin, dass bis zu 40% der Menschen mit einer der beiden Diagnosen auch Symptome der anderen zeigen. Dies kann zu jahrelanger Frustration, Selbstzweifeln und verpassten Chancen führen. Die ersten Schritte zur richtigen Unterstützung beginnen mit dem Verständnis der Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

Benutzer absolviert einen Online-Selbsttest auf einem Tablet

Dieser Leitfaden hilft Ihnen, die Symptome von ADHS und Legasthenie zu entwirren. Wir zeigen, was jede Störung auszeichnet, warum sie oft gemeinsam auftreten und wie Sie ihre Anzeichen im Alltag erkennen. Unser kostenloser und vertraulicher ADHS-Test bietet einen persönlichen Ausgangspunkt und hilft Ihnen, Ihre nächsten Schritte selbstbewusster zu planen.

ADHS und Legasthenie verstehen: Zentrale Unterschiede

Auch wenn beide zu den neurologischen Entwicklungsstörungen gehören, liegen ihnen unterschiedliche Kernprobleme zugrunde. ADHS betrifft vor allem die exekutiven Funktionen – das Selbstmanagementsystem des Gehirns. Legasthenie hingegen ist eine spezifische Lernstörung der Sprachverarbeitung. Für eine genaue Selbsteinschätzung ist es entscheidend, beide klar voneinander abzugrenzen.

ADHS: Mehr als nur Aufmerksamkeitsdefizit

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird oft fälschlich als reine Unfähigkeit, sich zu konzentrieren, abgetan. Tatsächlich handelt es sich um eine komplexe Störung, die die Regulation von Aufmerksamkeit, Emotionen und Impulsen beeinträchtigt. Es geht nicht um fehlende Aufmerksamkeit, sondern um Schwierigkeiten, diese bewusst zu steuern.

Zu den Hauptmerkmalen gehören:

  • Unaufmerksamkeit: Schwierigkeiten, sich längere Zeit zu konzentrieren, leichte Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit im Alltag sowie Probleme mit Organisation und Zeitmanagement.
  • Hyperaktivität: Ruhelosigkeit, häufiges Zappeln, ständiges „Getriebensein“ oder übermäßiges Reden. Bei Erwachsenen äußert sich dies eher als innere Unruhe als durch äußere Bewegungen.
  • Impulsivität: Handeln ohne Nachzudenken, Unterbrechen anderer, Ungeduld in Wartesituationen. Dies zeigt sich auch in spontanen Entscheidungen bei Finanzen oder Beziehungen.

Diese Symptome müssen in mehreren Lebensbereichen wie Arbeit, Schule oder Familie anhaltend beeinträchtigend sein, um als ADHS-Anzeichen zu gelten.

Legasthenie: Mehr als Buchstabenverdrehen

Legasthenie wird oft mit vertauschten Buchstaben wie ‚b‘ und ‚d‘ verbunden, ihre Auswirkungen sind jedoch viel weitreichender. Im Kern handelt es sich um eine sprachbasierte Lernstörung, die die Fähigkeit beeinträchtigt, Wörter zu dekodieren – also in Einzellaute (Phoneme) zu zerlegen und mit Buchstaben zu verbinden.

Häufige Anzeichen sind:

  • Probleme bei der genauen und/oder flüssigen Worterkennung.
  • Schwierigkeiten mit Rechtschreibung und Dekodieren.
  • Langsames oder fehlerhaftes Vorlesen.
  • Herausforderungen beim Reimen oder Zerlegen neuer Wörter in Laute.
  • Beeinträchtigtes Leseverständnis durch die enorme Anstrengung beim Leseprozess.

Legasthenie ist kein Zeichen geringer Intelligenz. Viele Betroffene sind äußerst kreativ und im big-picture-Denken stark, doch die mechanischen Lesefertigkeiten stellen eine große Hürde dar.

Warum ADHS und Legasthenie gemeinsam auftreten

Wenn ADHS und Legasthenie so unterschiedlich sind – warum kommen sie dann so oft gemeinsam vor? Diese hohe Komorbiditätsrate (gleichzeitiges Auftreten mehrerer Störungen) ist kein Zufall. Sie deutet auf gemeinsame neurologische Grundlagen in Hirnentwicklung und -funktion hin.

Gemeinsame neurologische Ursachen

Beide Störungen hängen mit Unterschieden in Hirnstruktur und -funktion zusammen. Forschungsergebnisse zeigen gemeinsame genetische Veranlagungen und ähnliche Schwächen bei bestimmten kognitiven Prozessen. Beispielsweise ist das Arbeitsgedächtnis – die Fähigkeit, Informationen kurzfristig festzuhalten und zu verarbeiten – bei Betroffenen beider Störungen oft schwächer ausgeprägt.

Stilisierte Darstellung vernetzter Hirnregionen

Schwächen im Arbeitsgedächtnis können dazu führen, dass man Anweisungen vergisst, während man einen Satz liest, oder bei Geschichten den Überblick über Handlung und Figuren verliert. Dieselbe Schwäche kann sich somit sowohl als ADHS-Symptom (Vergesslichkeit) wie auch als Legasthenie-Anzeichen (schwaches Textverständnis) äußern. Diese neurologische Überschneidung erklärt, warum die Unterscheidung rein anhand des Verhaltens schwerfällt.

Folgen der Komorbidität für Lernen und Entwicklung

Bei gleichzeitigem Auftreten von ADHS und Legasthenie verstärken sich die Probleme oft gegenseitig. Die legastheniebedingten Leseprobleme erfordern hohe Konzentration – genau das fällt ADHS-Betroffenen schwer. Ein Teufelskreis entsteht, bei dem sich beide Störungen verschlimmern.

Im Klassenzimmer oder Beruf könnte dies aussehen wie eine Schülerin, die langsam liest und sich zugleich vom Straßenlärm ablenken lässt. Oder eine Erwachsene, die Berichte nicht nur wegen der Leseanstrengung, sondern auch aus Langeweile und Erschöpfung meidet. Diese doppelte Herausforderung zu erkennen ist wichtig. Effektive Strategien müssen sowohl Sprachverarbeitung als auch Aufmerksamkeitsregulation adressieren. Ein guter erster Schritt ist das Starten des Tests, um dominante Symptombereiche zu identifizieren.

ADHS vs. Legasthenie: Symptome im Alltag unterscheiden

Für die Unterscheidung muss man die Ursache hinter bestimmten Verhaltensweisen analysieren. Vermeidet ein Kind Hausaufgaben wegen Leseüberforderung (Legasthenie) oder wegen Konzentrationsschwierigkeiten (ADHS)? Oder liegt beides vor?

ADHS-Symptome, die mit Legasthenie verwechselt werden

Bestimmte ADHS-bedingte Verhaltensweisen lassen sich leicht als Anzeichen einer Lernstörung deuten. Dabei kommt es auf Kontext und Konsistenz der Handlungen an.

Typische Situationen:

  • Überspringen von Wörtern/Zeilen beim Lesen: Bei ADHS oft impulsiv oder durch abschweifende Gedanken bedingt, nicht durch Dekodierprobleme.
  • Schlechtes Textverständnis: Betroffene verstehen die Wörter, werden aber abgelenkt und vergessen den Inhalt – kein Sprachverarbeitungsproblem.
  • Unleserliche Handschrift/Rechtschreibfehler: Resultieren oft aus Ungeduld und Impulsivität, nicht aus phonologischen Schwierigkeiten.

Legasthenie-Anzeichen, die wie ADHS wirken

Umgekehrt kann die Anstrengung der Legasthenie zu ADHS-ähnlichem Verhalten führen. Die mentale Erschöpfung beim Entziffern von Texten verbraucht kognitive Ressourcen.

Beispiele:

  • „Unaufmerksam“ bei Lesetätigkeiten: Starren aus dem Fenster signalisiert hier Erschöpfung, nicht Desinteresse. Lesen erfordert maximale Anstrengung.
  • Zappeln/Ruhelosigkeit: Körperliche Unruhe als Bewältigungsmechanismus für die Frustration beim Lesen.
  • Vermeidung textlastiger Aufgaben: Sieht aus wie Prokrastination (typisch für ADHS), wurzelt aber in den Lese-Schwierigkeiten.

Wie unser ADHS-Test bei der Unterscheidung hilft

Wie lassen sich diese Störungen also differenzieren? Während eine formale Diagnose Fachleute erfordert, bietet ein guter Screening-Test erste Orientierung. Er hilft, Beobachtungen zu systematisieren und Muster zu erkennen.

Fragen zur Differenzierung von ADHS und Legasthenie

Unser kostenloser ADHS-Test konzentriert sich auf die Kernsymptome von ADHS gemäß DSM-5 (Standardwerk für psychische Störungen). Er ersetzt keinen Legasthenietest, zeigt aber auf, ob Ihre Probleme vorrangig auf Aufmerksamkeitsregulation und exekutive Funktionen deuten.

Beispielfragen betreffen:

  • Ihre Fähigkeit, Aufgaben zu organisieren
  • Wie oft Sie notwendige Gegenstände verlegen
  • Ihre Ablenkbarkeit durch äußere Reize
  • Neigung zu körperlicher Unruhe

Hohe Punktzahlen bei weniger Lese-Problemen deuten stärker auf ADHS. Umgekehrt könnte Legasthenie primär vorliegen, wenn Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten dominieren, Sie aber kaum Probleme mit Organisation in nicht-textbasierten Aktivitäten haben.

Screenshot einer ADHS-Test-Fragenoberfläche

Ergebnisinterpretation: Was verschiedene Punktzahlen bedeuten

Nach Testabschluss erhalten Sie eine sofortige Auswertung Ihrer Antworten mit Hinweisen auf potenzielle Problembereiche bei Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Diese dient als Diskussionsgrundlage – nicht als Diagnose.

Eine hohe Punktzahl bedeutet nicht, dass Sie ADHS haben. Sie zeigt lediglich, dass Sie viele typische Symptome erleben. Nutzen Sie das Ergebnis als Gesprächseinstieg mit Ärztinnen oder Psychologinnen. Unser optionaler KI-basierter Bericht bietet vertiefte Einblicke in Ihr Profil – doch beginnen Sie mit dem kostenlosen ADHS-Test.

Der erste Schritt zur Klarheit

Überlappende Symptome von ADHS und Legasthenie können verwirren. Doch Sie müssen nicht im Ungewissen bleiben. Durch das Verständnis der Kernunterschiede, kontextbezogene Beobachtung und fundierte Tools finden Sie Klarheit und passende Hilfe.

Denken Sie daran: ADHS betrifft die Aufmerksamkeits- und Impulskontrolle, Legasthenie die Sprachverarbeitung. Ihr Zusammenspiel schafft einzigartige Herausforderungen. Die Muster in Ihrem Leben zu erkennen ist Ihr stärkster erster Schritt.

Bereit für mehr Klarheit über Ihre Erfahrungen? Machen Sie heute den ersten Schritt. Unser kostenloser, vertraulicher und wissenschaftlich fundierter Online ADHS-Test bietet die Erkenntnisse, die Sie für Ihre weitere Planung brauchen.

Person betrachtet nachdenklich einen Bildschirm mit Testergebnissen

Häufige Fragen zu ADHS und Legasthenie

Kann man gleichzeitig ADHS und Legasthenie haben?

Ja, absolut. Dies wird als Komorbidität bezeichnet und ist sehr häufig. Studien zeigen, dass viele Menschen mit ADHS auch Legasthenie haben – und umgekehrt. In solchen Fällen sollten Unterstützungsangebote sowohl Aufmerksamkeits- als auch Sprachverarbeitungsprobleme adressieren.

Wie zuverlässig ist ein Online-Test zur Unterscheidung von ADHS und Legasthenie?

Online-Tests sind Screening-Instrumente, keine Diagnosewerkzeuge. Unser Test folgt den DSM-5-Kriterien für ADHS. Er kann zwar keine Legasthenie diagnostizieren, zeigt aber auf, ob Ihre Symptome stark auf ADHS hindeuten. Diese Information ist ein wertvoller Gesprächseinstieg für Fachpersonen, die dann umfassende Tests durchführen können.

Was tun bei Testergebnissen, die auf ADHS oder Legasthenie hindeuten?

Weist unser ADHS-Selbsttest auf mögliche ADHS-Symptome hin, sollten Sie professionelle Beratung (Hausarzt, Psycholog*in) aufsuchen. Nehmen Sie Ihre Ergebnisse zum Termin mit. Fachpersonen können durch umfassende Untersuchungen eine Diagnose stellen und Behandlungsoptionen besprechen.

Gibt es spezifische Behandlungen bei gleichzeitiger ADHS und Legasthenie?

Ja. Die Behandlung von ADHS-Legasthenie-Komorbidität erfordert integrierte Ansätze. Dies umfasst oft ADHS-Strategien (Verhaltenstherapie, Coaching, Medikation) kombiniert mit spezialisierter Legasthenie-Förderung (strukturierte Lese-Rechtschreib-Programme). Ziel ist die gleichzeitige Unterstützung von Aufmerksamkeit und Lesefertigkeiten.